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Lycidas

April 4, 2009

Christoph Marzischreibt eine ungewöhnliche Geschichte mit vielen bekannten Elementen aus Literatur, Religion, Geschichte.
Emily Laing, ein kleines Waisenmädchen, wird durch sprechende Ratten in eine unbekannte Welt geführt auf der Suche nach ihrer Halbschwester. Ihr zur Seite ihre Freundin Aurora, der Alchemist Wittgenstein, ein Elf und die Ratten. Um die entführte Mara wiederzufinden muß Emily in die uralte Metropole unterhalb Londons gehen und Lycidas begegnen.

Emily ist eine sehr junge Hauptfigur (12), deren Leben bis zum Beginn der Geschichte düster verlaufen ist: sie lebt in einem Waisenhaus, hat ein Auge verloren, wird ziemlich schlecht behandelt und ihre einzigen Freunde sind Aurora, ebenfalls ein Waisenkind, und ihr Teddy. Doch sie flieht aus dem Waisenhaus und eine Ratte führt sie zu Wittgenstein. Der Alchemist ist eine sehr knorrige Figur, deren häufigste Sätze „Fragen Sie nicht“ und „Dieses Kind“ sind. Die uralte Metropole wirkt sehr historisch, was durch die Zeitbezüge der Geschichte und die vorkommenden Figuren untermalt wird: der Dichter Milton, Erzengel, selbst Vergil. Dazu die fantastischen Figuren und die Atmosphäre der Tunnel. Es könnte eine sehr düstere Erzählung sein. Ist es m.M. nach aber nicht, wobei sie auch keine komischen Elemente hat.

Da mir das Buch zwar empfohlen wurde (und ich es auch verschenkt habe), aber bislang kein Exemplar meinen Weg gekreuzt hatte, habe ich mich für die Hörbuchversion entschieden. Helmut Krauss liest das Buch, welches überwiegend aus der Sicht Wittgensteins erzählt wird. Dazu passt seine rauhe Stimme recht gut, nur leider mag ich dieser Stimme nicht gern zuhören, was bei elf Stunden Hörzeit einwenig stört. Auch waren die einzelnen Stimmen zu ähnlich, so dass manchmal kaum zu erkennen war, wer denn nun gerade spricht. Die dauernden Wiederholungen Wittgensteins fallen in einer Hörversion vielleicht vermehrt auf und zehren etwas an der Geduld des Zuhörers. Dazu kommen extrem lange Kapitel – das muß doch einfach nicht sein.

Insgesamt fällt mir eine gute oder schlechte Bewertung schwer. Die Geschichte hat „etwas“, ist gut erzählt, bietet viele literarische Anknüpfungspunkte. Gleichzeitig gibt es Längen und die Hörfassung ist bedingt gut. Vielleicht würde ich die Fortsetzung als Buch versuchen?! Aber die Entscheidung lasse ich mir offen 😉

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4 Kommentare

  1. Ich finde unsere Übereinstimmungen immer wieder überraschend 😉
    Ich habe Lycidas und Fabula gelesen und gebe Dir voll und ganz recht. Ja, die Geschichten haben was, aber auf der anderen Seite reizt es mich nicht wirklich, weiterzulesen.


    • Hatte das Buch ja auch verschenkt
      und dein Kommentar wurde da exakt bestätigt 😉
      Allerdings ist die Besprechung von Lilith auf Bibliotheka Phantastika sogar besser als Teil eins *grübel*


      • … besser als Buch lesen.

        Ich habe gerade den vierten Teil „Somnia“ beendet und muss sagen, dass dies für mich fast der beste Band von allen ist. Was mir Probleme bereitet ist der teils gewöhnungsbedürftige Schreibstil Marzis. Dieses:
        „Und dann waren wir da.“
        „Einfach so.“
        „Immerhin.“
        So farbenprächtig und detailliert er seine Schauplätze aufbaut, desto abgehackter geht es manchmal beim Agieren der Protagonisten zu. „Lilith“ fand ich mit am schlechtesten von allen Bänden, wenn man diesen Begriff überhaupt bei diesen Büchern verwenden kann, denn ich mochte sie alle. „Lilith“ besteht aus sehr vielen Rückblenden und beinhaltet unheimlich viele Protagonisten, was ich etwas anstrengend und ausufernd empfand, dennoch ein toller Band!

        „Fabula“ ist bei mir demnächst dran!

        Vielleicht magst du die Bücher ja auch lieber lesen? Mit der Hörbuchfassung tat ich mich auch schwer – zu schwerfällig, zu lang!
        Liebe Grüße,
        Kirsten
        http://www.kirstenmarohn.de


      • Re: … besser als Buch lesen.
        das klingt eindeutig nach Buchfassung. Mal sehen, ob mir Lilith über den Weg läuft.
        Danke



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