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Liebe Schwester

Januar 15, 2010

von Renate Welsh

Zwei Schwestern, bereits ältere Damen um die Achtzig, leben in der Wohnung ihrer Eltern in Wien. Ihre beiden Ehemänner sind verstorben, die Kinder natürlich aus dem Haus und ihr gemeinsames Wohnen bietet Sefa und Karla eine Art Mit- und Gegeneinander. Sie leben eher zurückgezogen, beide gesundheitlich angeschlagen und ihre gemeinsame Lebensgeschichte wirkt sich in Zu- und Abneigung gegeneinander aus. Alte Eifersüchteleien, Erinnerungen, unausgesprochene Konflikte schwelen ständig. Dann kommt die Aufforderung der amerikanischen Enkelin ihr doch etwas aus der Vergangenheit zu erzählen: wie haben sie die Depression erlebt, persönliche Erlebnisse, … Die beiden Schwestern setzen sich mit ihrer Vergangenheit auseinander, bruchstückhaft, in kleinen Gedankenfetzen oder Bildern, an die sie sich erinnern. Dann tauchen drei Klassenkameradinnen in ihrem Leben auf und holen sie in eine aktive Gegenwart zurück, die auch noch einiges für die Schwestern bereit hält.

Renate Welsh schildert eine Familiengeschichte in Bruchstücken und das Leben zweier älterer Damen in Wien. Sie tut das auf sehr liebevolle Weise, zeigt Unsicherheiten, Erinnerungen, Spaß und Trauer, Angst, Freude und wie sich all dies in die Gegenwart schleicht. Wie das Foto eines verstorbenen Ehemannes den Blick ändert, der Sessel des Vaters seine Präsenz verliert und die Anwesenheit zweier Männer zu Besuch Positionen verschiebt. Es ist eine schön erzählte Geschichte, die auch ein wenig Romantik beinhaltet und eigentlich möchte man Sefa und Karla am Ende des Buches gern noch weiter begleiten, den Besuch der amerikanischen Enkelin miterleben, die die Schwestern mit ihrem Deutsch begeistert, hören, welche Anagramme Karla noch auf Einkaufszettel schreibt und ob sie nun häufiger ins Kino gehen.

Ein wirkliches schönes Buch und ausserdem mein persönliches Challengebuch für Januar (deutschsprachige/r Autor/in)

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Der Magier der Erdsee

November 18, 2009

ist der erste Band der Erdsee-Trilogie von Ursula K. LeGuin.

Ein Junge der Insel Gont entwickelt magische Fähigkeiten, wird von einem Zauberer als Lehrling angenommen und wird auf der Insel Rok an der Zaubererschule ausgebildet. In einem magischen Wettstreit unter Schülern passiert jedoch ein Unglück und „Der Sperber“ genannte Junge Ged hat einen dunklen Schatten in die Welt gerufen, der nun auf ihn wartet. Ged verlässt Rok und reist durch die Erdsee auf der Flucht vor dem Schatten, bis er erkennt, dass er sich ihm stellen muss.

Der erste Teil der Erdsee-Trilogie ist eine typische Fantasygeschichte für Jugendliche: eine magische Umgebung in einer erfundenen Welt mit fantastischen Kräften und Tieren wie Drachen, Otaks … Mir erscheint die Erzählweise des Buches recht altertümlich. Der erste Band erschien 1968, wirkt jedoch eher älter, was vielleicht mit der Übersetzung zu tun hat. In meiner Ausgabe gibt es dazu merkwürdige Zeichnungen, die eher unübersichtlich sind, wenn es sich um Karten handelt und nicht sehr klar, wenn sie die Geschehnisse zeigen. Für mich ein  überflüssiges Detail des Buches, wenn auch nicht störend.  Die Geschichte liest sich recht flüssig, doch Ged ist keine Figur mit der ich wirklich „mitfiebern“ kann, dafür bleibt er zu blaß. Seine Motivation, seine Handlungen sind vorhersehbar, nie überraschend und irgendwie bleibt diese Hauptfigur recht blass.

Werde jetzt eine Pause vor dem zweiten Buch einlegen und dann schauen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt im zweiten Band der Erdsee.

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Nicht jedes Buch gefällt gleich …

Oktober 25, 2009

Die Priesterin von Avalon ist geschafft und das Buch des Monats Oktober hat zwar Platz im Regal geschafft, konnte mich aber leider nicht überzeugen. Es ist eine klassische MZB-Geschichte, wie sie aus vielen anderen Büchern bekannt ist. Mir kam es wie ein Abklatsch in neuem Setting vor. Die Feuer von Troja fand ich super, die Neben von Avalon waren interessant. Andere Bücher wie das Haus zwischen den Welten oder Das Licht von Atlantis von ihr fand ich ebenfalls okay. Aber die gleiche Story in neuem Gewand ist einfach zu wenig für 452 Seiten.

Besser gefallen hat mir dagegen ein indischer Krimi: Scheherazades Erbe

In der Familie Prakash Shanae Sattars scheinen Frauen nicht allzulang zu leben: zuerst bringt sich Prakashs erste Frau um, dann wird seine zweite Frau Dina ermordet und auch seine Tochter Nivedita erlebt das Ende des Buches nicht. Dinas Nichte Scheherazade und ihr Freund Zerxes Avari werden durch das Testament Dinas mehr als ihnen lieb ist in diese Ereignisse hineingezogen und suchen die Gründe, die zu den Todesfällen führten.

Das Buch lebt nicht allzusehr von der Spannung, wer der Täter ist. Ganz im Gegenteil, fand ich es ziemlich schnell offensichtlich. Aber die Gründe für die Taten müssen ermittelt werden, das Geschehen entwickelt sich und das in einem kulturell-religiösen Umfeld, das mir unbekannt war. Und daran liegt für mich auch eine große Faszination des Buches. Die Ursachen der Ereignisse waren für mich nicht durchschaubar, dazu kommen die kulturellen und religiösen Bezüge: Prakash war Hindu, Dina Parsin. Um zu heiraten konvertieren beide zum Islam und lösen eine Kettenreaktion aus, die die eigentliche Story ausmacht. Sehr gut ist das Glossar im Anhang, das viele Begriffe erklärt und Zusammenhänge herstellt. Auch wenn es nicht so wichtig ist, was der pallo ist (Stück des Sari), so ist die Erklärung für Doongerwadi (Türme de Schweigens) schon sehr hilfreich. Ich mag diese Bücher, die mir nicht nur eine gute Geschichte erzählen, sondern etwas von Lebensweisen, Bräuchen, Ideen … vermitteln. Ist so ein Anstupser mehr darüber zu erfahren, zu lesen.

Nicht ganz unpassend dazu ist mein letztes Hörbuch: Der Duft der Farben von Preethi Nair, gelesen von Nana Spier.
Nina arbeitet als Rechtsanwältin und ihre Eltern warten auf ihre Hochzeit, damit ihr Vater in Rente gehen kann. Nina aber möchte malen und durch verschiedene Ereignisse kündigt sie und sucht sich ein Atelier. Doch ihre Familie weiss von nichts und bereitet die Verlobung mit Raj vor.

Die Geschichte ist zwar ziemlich vorhersehbar, aber sehr schön erzählt. Sie läuft wie ein Film vor meinem inneren Auge ab, was nichts mit der Malerei zu tun hat. Zu Beginn fand ich die Stimme von Nana Spier sehr unauffällig, naiv und wenig überzeugend, doch im Verlauf des Buches habe ich mich daran gewöhnt und fand sie gar nicht schlecht. War genau das Richtige für ein Herbstwochenende und macht Lust auf andere Bücher der Autorin. Koriandergrün und Safranrot klingt ebenfalls gut und landet mal wieder auf meiner nicht endenwollenden Wunschliste.

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Was für’s Herz und Buchstapelabbau

Oktober 9, 2009

Eva Ibbotson: Die Morgengabe
Wien in den 1930er Jahren: Ruth ist die Tochter eines Anthropologen. Der Beruf des Vaters fasziniert sie, sie will seine Assistentin werden. Doch ihr Leben, ihr Studium und die behüteten sonnigen Sommer am See sind gezählt: die Nazis kommen nach Wien. Ruth soll mit einem Studententransport nach England, ihre Familie folgt auf anderem Weg. Doch kaum in London angekommen, bemerken die Bergers, dass Ruth nicht angekommen ist. Sie ist noch immer in Wien, schläft im Büro ihres Vaters, weil das Haus verwüstet wurde und ist auf Hilfe angewiesen, um ihre Familie wiederzusehen. Diese Hilfe gewährt ihr ein Kollege ihres Vaters: Quinton Somerville, Professor aus England. Er heiratet sie kurzerhand und nimmt sie mit nach London. Niemand erfährt etwas von dieser Eheschließung, eine Scheidung soll bald folgen, denn Ruth möchte den Pianisten Heini Radek heiraten.

Eva Ibbotson erzählt die Geschichte Ruths und ihrer Familie. Neben ihren Eltern gibt es Onkel Mishak, die Besitzerinnen einer englischen Teestube, den Musiker Zeller, ihre Freundinnen im Studium, Frances Somerville … Von all diesen Menschen wird ein kleines Stück ihres Lebens berichtet. Das Ganze eingebunden in die Liebesgeschichte um Ruth und Quin, die sich vorhersehbar abzeichnet, damit aber nicht weniger schön erzählt wird. Ibbotson geht überwiegend sehr freundlich mit ihren Figuren um, stellt sie positiv und liebenswert dar. Ausnahmen gibt es, an denen sie wenig Gutes lässt: die Tochter des Dekans ist so ein Exemplar, für die als Leser schwer Sympathien zu entwickeln sein dürften.
Mir gefallen die Geschichten von Eva Ibbotson. Sie sind ein bisschen Erholung für meine Leseseele. Auch ihre Kinderbücher zeichnen sich durch die liebenswerten Charaktere aus. Da kann ich gut mit Vorhersehbarkeit und Happy-Ends leben.

Und um endlich mal wieder etwas gegen den grossen Stapel ungelesener Bücher in den diversen Regalen zu unternehmen, habe ich mir in anderen Blogs etwas abgeguckt: jeden Monat gibt’s einen „Leseauftrag“. Das kann von gelbes Buch, Krimi, Schmöker mit mehr als xy Seiten, nonfiction bis Autorenname mit z sein. Habe einfach ein paar Ideen auf Zettelchen geschrieben und Anfang des Monats wird gezogen, damit die Bücher gelesen werden, die immer wieder nach hinten, unten oder sonstwohin rutschen. Auslöser war ein Buch, das über vier Jahre immer wieder zur Seite gelegt wurde, weil ich es unbedingt lesen wollte. Dann war es endlich soweit! Und? Nach 100 Seiten war mehr als klar, dass es mich überhaupt nicht (mehr?) interessiert. Jetzt also eine gezielte Chance für diese Bücher. Ob die Stapel dadurch kleiner werden? Mal sehen. Aktuell lautet mein Leseauftrag „Beruf/Berufung“ und die Wahl fiel auf „Die Priesterin von Avalon“.